Ein Brauhaus für Himmelpfort

Rund ums Landhaus Veröffentlicht: 15. Mai 2016

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Das Zisterzienserkloster Himmelpfort wurde 1299 von dem brandenburgischen Markgrafen Albrecht III gestiftet und in den Folgejahren vom gut hundert Jahre älteren Kloster Lehnin bei Potsdam aus besiedelt. Die Ausstattung des Klosters mit Ländereien, Seen und Rechten war umfangreich, aber die karge Landschaft, wechselnde politische Zugehörigkeiten, Raubüberfälle und Kriege machten es den Himmelpforter Mönchen schwer, das ihnen anvertraute Land ertragreich zu bewirtschaften. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster Himmelpfort 1541 als eines der ersten in Brandenburg säkularisiert und durchlief danach eine wechselvolle Geschichte als Pfand und erbliches Lehen.

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So gibt es zwar seit fast 500 Jahren kein klösterliches Leben mehr in Himmelpfort, aber die Klosterruine ist auch heute noch das lebendige Zentrum der Gemeinde. In der mittelalterlichen evangelischen Pfarrkirche, die in die ehemalige Klosterkirche hineingebaut wurde, finden Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen statt. Auf der Klosterwiese musizieren anlässlich der ‚Himmelpforter Klassiktage’ Orchester und Solisten aus dem Land Brandenburg und Berlin. Das Klostergelände ist ganzjährig Schauplatz von Veranstaltungen und im Winter der Ort, wo der Weihnachtsmann Tausende von Besucher empfängt, unterhält und bewirtet.

Am Rande der alten Klosteranlage befand sich das sogenannte „Brauhaus“. Hier brauten die Mönche ihr Bier und horteten ihre Vorräte. Während die übrigen Gebäude des Klosters im Laufe der Jahrhunderte zerstört wurden oder verfielen, überstand das Brauhaus die Zeiten nahezu in weitgehend originalem Zustand. Lange diente es als Kornspeicher. Im 19. Jahrhundert wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut; zuletzt beherbergte es eine Galerie.

Im August 2010 fiel das Brauhaus einer sinnlosen Brandstiftung zum Opfer. Der Brand zerstörte den gesamten Dachstuhl und das Innenleben des Hauses. Nur die Außenmauern und eine baugeschichtlich einzigartige Giebelwand blieben erhalten.

Das große Gebäude mit seinen markanten Giebeln und dem fast 50 Meter langen Dachstuhl hat das Ortsbild von Himmelpfort über Jahrhunderte geprägt. Seine Zerstörung ist ein schwerer Verlust für den Ort und seine Bewohner. Denn die verwahrloste Ruine beschädigt auch den Ruf von Himmelpfort als touristisches Juwel im Norden Brandenburgs. Weder die Besucher des Weihnachtsmannhauses und der Weihnachtsmärkte noch die vielen Bootstouristen in den Sommermonaten können verstehen, warum ein so warmherziger Ort schon so lange von einem grauen Schandfleck verunstaltet wird.

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Ein Grund dafür waren bislang die verworrenen Besitzverhältnisse rund um das Brauhaus. Diese verhindern bisher den Wiederaufbau und selbst den Erhalt und die Pflege der Ruine. Sogar ein Abriss des denkmalgeschützten Bauwerks war lange nicht ausgeschlossen. Nach langwierigen Verhandlungen bahnt sich jetzt aber eine gute Lösung an.

Aus einem Kreis Himmelpforter Bürger heraus entstand die Initiative, mit Unterstützung der Stadt Fürstenberg eine gemeinnützige Bürgerstiftung ins Leben zu rufen, die den Himmelpfortern und ihren Gästen das Brauhaus zurückbringen soll. Die Gründung der Bürgerstiftung wird noch im Januar 2016 erfolgen (Mittlerweile hat die Gründung bereits erfolgreich stattgefunden und die Stadt Fürstenberg/Havel unterstützt die Bemühungen der Stiftung). Möglichst viele Menschen aus Himmelpfort und Umgebung sowie Freunde kulturhistorischer Schätze und Unterstützer der vielfältigen kulturellen Aktivitäten in Himmelpfort sollen für eine Mitwirkung an dem Projekt gewonnen werden. Aus dem Stiftungsvermögen und durch Spenden soll die Brauhausruine erworben und zunächst baulich gesichert werden. Dies ist Voraussetzung für die weitergehende Restaurierung und die künftige kulturelle Nutzung durch die Himmelpforter sowie Gäste und Besucher des Ortes. Im Zentrum könnten dabei Ausstellungen, Theater, Musik und ein Begegnungsraum für die Menschen der Region stehen.

Die Geschichte Himmelpforts bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine kulturelle Nutzung des Brauhauses. Dies soll bereits im Namen der „Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort“ zum Ausdruck kommen. Dazu zählt nicht nur das klösterliche Leben im Mittelalter, sondern auch die Tradition der Havelschiffer. Immerhin war die Binnenschifffahrt einmal einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige Himmelpforts; nach dem ersten Weltkrieg war mehr als die Hälfte der Bewohner Himmelpforts als Schiffer tätig.

Natur und Kultur im Naturpark Uckermärkische Seen wieder stärker miteinander zu verzahnen, ist ein weiterer Schwerpunkt. Schließlich war Himmelpfort dank des Klosters schon früh ein Zentrum der Kolonisation. Himmelpforter Mönche haben die Natur- und Kulturlandschaft im Norden Brandenburgs gestaltet und geprägt. Wer Natur, Geschichte und regionale Tradition miteinander verbindet, schafft ein starkes Bindeglied auch für die Menschen. Solche Bindungen sind durch Landflucht und Abwanderung in den letzten Jahren oft verloren gegangen. Eine Kultur- und Begegnungsstätte im Brauhaus kann dazu beitragen, sie wieder zu stärken.

Schließlich kann das Brauhaus auch Treffpunkt für Himmelpforter Vereine und Initiativen sein. Der Ort hat eine reiche Tradition und er bietet Bewohnern wie Besuchern einen hohen Erlebnis- und Erholungswert. Im Brauhaus könnten alle sehen, wie sich dieser Schatz entwickelt hat – und wie er bewahrt werden kann.

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Quelle der Bilder: www.kloster-himmelpfort.de / www.zeno.org – Contumax GmbH & Co. KG